Es ist auch jetzt für Sparkassen sinnvoll, die Anforderungen der Beleihungswertermittlungsverordnung (BelWertV) umzusetzen. Zwar scheint der Einstieg in das Pfandbriefgeschäft in der anhaltenden Niedrigzinsphase wirtschaftlich wenig sinnvoll zu sein, stellen die Kunden ihre Einlagen für ihre Refinanzierung zum Nulltarif zur Verfügung. Aber: Durch Erzeugung deckungsfähiger Darlehen nach BelWertV kann die sogenannte Realkreditprivilegierung genutzt werden – Kreditinstitute müssen gem. § 35 SolvV grundpfandrechtlich abgesicherte Immobilienfinanzierungen mit weniger Eigenkapital unterlegen.

Diese Entlastung der aufsichtlichen Anrechnung ihrer Eigenmittel wird für Sparkassen wieder interessant. Die aktuellen EBA-Leitlinien verpflichten die Aufsicht, im Zuge der SREP eine bankindividuelle Eigenkapitalanforderung zu verhängen. Auch Sparkassen wurden einer solchen SREP-Kapitalfestsetzung unterzogen. Die Zuschläge fielen – nach Angaben von Sparkassen – mit ein bis sechs Prozent sehr differenziert aus. Für viele Sparkassen kann der bereits erteilte bzw. der noch ausstehende individuelle Eigenkapitalbescheid eine erhebliche Mehrbelastung bei der Eigenkapitalanrechnung bedeuten.

Voraussetzungen für die Einführungen

Unter anderem aufgrund dieser Eigenkapitalvorschriften wenden Sparkassen bei ihrer Wertermittlung wieder verstärkt die BelWertV an oder möchten die Vorgaben der BelWertV an eine Beleihungswertermittlung umsetzen. Für die Einführung der BelWertV sind einige Voraussetzungen zu erfüllen. Seit 2006 gibt die BelWertV an alle Pfandbriefemittenten einheitliche und transparente Anforderungen hinsichtlich Methodik und Form der Beleihungswertermittlung vor. Darüber hinaus regelte die Bankenaufsicht auch einheitlich Kenntnisse und Fähigkeiten der Wertermittler sowie deren Unabhängigkeit. Gemäß § 6 BelWertV muss der Gutachter nach seiner Ausbildung und beruflichen Tätigkeit über besondere Kenntnisse und Erfahrungen auf dem Gebiet der Bewertung von Immobilien verfügen. Für die Bewertung von komplexen Standardrendite-Immobilien ist die Erlangung der Gutachterstufe 2 und damit eine vorgegebene Zertifizierung erforderlich. Gleiches trifft auf höherem Level für die Bewertung von Spezial- oder Managementbetreiber-Immobilien zu. Außerdem müssen Gutachter über eine einschlägige Berufspraxis verfügen, die von der Zertifizierungsstelle anerkannt werden muss. Die Unabhängigkeit des Gutachters wird in § 7 Abs. 1 BelWertV verlangt. Er darf weder in die Kreditbearbeitungs- noch in die Kreditentscheidungsprozesse eingebunden und aufbauorganisatorisch nur der Geschäftsleitung gegenüber verantwortlich sein. Kleinere Sparkassen können diese Anforderung meist nicht umzusetzen, da sie oft nicht über eine höhere Anzahl entsprechend qualifizierter Mitarbeiter verfügen. Einige Sparkassen gehen deshalb bereits Kooperationen mit Nachbarinstituten ein. Die Sparkassen Consulting bietet verschiedene Formen der Unterstützung an:

  • für diejenigen Sparkassen, welche die BelWertV einführen möchten, eine Unterstützung bei der Umsetzung der Anforderungen,
  • für die Häuser, welche bereits nach BelWertV die BLW ermitteln, einen Check zur Überprüfung der Einhaltung der Anforderungen.

Umsetzungsunterstützung bei der Einführung

Die Unterstützung der Sparkasse bei der Umsetzung der Anforderungen der BelWertV ist abhängig von den bestehenden Prozessen der Sparkasse.

  • Zunächst wird der Status der Sparkasse erhoben.
  • Danach wird in verschiedenen Workshops das Konzept zur Umsetzung der BelWertV erarbeitet und anhand der Anforderungen der BelWertV zusammengestellt. Alle möglichen Erleichterungen sollten Berücksichtigung finden.
  • Ein Maßnahmenplan stellt die Umsetzung des Konzepts sicher.

BelWertV-Check

In zwei bis fünf Tagen – je nach Anforderung der Sparkasse – erhält diese eine fundierte Beurteilung hinsichtlich ihres BelWertV-Umsetzungsstandes.

  • Zunächst werden die relevanten Anweisungen sowie wesentliche Angaben zur Aufbauorganisation auf die formelle Einhaltung der BelWertV geprüft.
  • Weiterhin wird die Einhaltung der BelWertV anhand der Sichtung von BLW-Ermittlungen (Echtfälle) anhand von Stichproben überprüft.
  • Im Anschluss daran werden die Mitarbeiter, die in den Wertermittlungsprozess einbezogen sind, zum Ablauf einzelner Tätigkeiten sowie über die real ablaufenden Prozesse interviewt.
  • Sämtliche aufgenommene Daten aus Anweisungen, Kreditakten sowie Interviews werden mit Hilfe eines Analyse-Tools ausgewertet. Im Ergebnis wird der Sparkasse der Umsetzungsgrad der BelWertV ausgewiesen und die Ergebnisse werden dem Vorstand und betroffenen Führungskräften präsentiert. Der erreichte Umsetzungsstand und noch offene Punkte werden erläutert und Handlungsvorschläge unterbreitet, wie die bestehenden Defizite überwunden werden können.

 

Gern unterstützen wir Sie bei der Umsetzung der Anforderungen oder bewerten Ihren Umsetzungsstand. Sprechen Sie uns an – wir stellen Ihnen unsere Unterstützungsleistungen gerne persönlich vor und gehen den Weg mit Ihnen gemeinsam.