Die neue Welt ist digital. Was heißt das eigentlich? Der Begriff kommt aus dem Lateinischen: Digitus heißt „Finger“, „digital“ „zum Zählen geeignet“. Unser „Fingersystem“ ist das bekannteste Zahlensystem, das Dezimalsystem von 1 bis 10 oder heute eher von 0 bis 9. Mit diesen Ziffern lässt sich fast jede uns bekannte Zahl abbilden. Computer dagegen nutzen entweder das Hexadezimalsystem, also ein System, das auf der 16 basiert, oder das Dualsystem. Das Dualsystem basiert nur auf zwei Ziffern, der 0 und der 1, und wurde bereits von Leibniz erdacht. Damit ist das Binärsystem das einfachste aller Zahlensysteme. 0 und 1 bedeuten so viel wie „an“ und „aus“, „ja“ und „nein“. In jedem Fall ist die Information auf jeder Stelle absolut eindeutig. Auch mit 0 und 1 kann man fast jede bekannte Zahl abbilden und damit auch jede Farbe, jeden Sachverhalt und jeden Prozess. Die Vielzahl der 0-1-Kombinationen ermöglicht dabei eine hohe Differenzierung, dennoch ist jede einzelne Information eine eindeutige 0-1-Information.

Übertragen wir das auf ein Unternehmen, konkret eine Bank, eine Sparkasse. Die alte Unternehmenswelt bei uns Sparkassen war analog. Sie war nicht nur deshalb analog, weil es noch keine Computer gab, weil jede Einrichtung eines Dauerauftrages, jede Kundenanlage in einem Termingeld oder auch jede einfache Bonitätsprüfung für einen Konsumentenkredit individuell per Hand durchgeführt wurde. Jede Mitarbeiterin und jeder Mitarbeiter hat ein und denselben Vorgang individuell und damit ein klein wenig anders als die Kollegin oder der Kollege abgearbeitet. Damit war aber auch häufig nicht vorhersehbar, wie eine Entscheidung ausfiel oder wie ein Prozess im letzten Detail ablief. Bonitätsbeurteilungen und damit Kreditentscheidungen waren von Sachbearbeiter zu Sachbearbeiter möglicherweise unterschiedlich, Anlageempfehlungen hochindividuell – und das bis heute, nicht nur die (individuelle!) Situation des Kunden betreffend, sondern auch hinsichtlich der Präferenzen der Berater.

Klare Regeln – immer

Digital dagegen bedeutet, dass jede Entscheidung, jeder Prozess in kleinste 0-1- oder Ja-Nein-Schritte aufgeteilt wird und die Schritte dann wieder zusammengesetzt werden. Jeder auch noch so komplexe Prozess in einer Sparkasse kann und muss zukünftig so aufgespalten werden. Damit muss zunächst alles und jedes Detail klar definiert werden. Der Sprung von analog zu digital bedeutet dann auch, dass alles nach eindeutigen Regeln und eindeutig nachvollziehbar geregelt und organisiert ist. Dabei ist rein theoretisch dieser Sprung auch ohne jeden Computer möglich. Digital heißt nur, Vorgänge aufzuspalten und nach der klaren Regel „ja“ oder „nein“, 0 oder 1 abzuarbeiten, unabhängig davon, ob es ein Mensch oder eine Maschine ist, die die Regeln befolgt. Die klare Erkenntnis aus diesen Überlegungen ist aber, dass so ein System ohne eindeutige und klare Struktur und ohne klare Wenn-Dann-Schritte nicht funktioniert. Damit ist ein digitales System aber auch stets deutlich einfacher als ein analoges System, ein System des „vielleicht“ und „es kommt drauf an“. Beschränkt man sich dann auf das duale Zahlensystem, also auf 0 und 1, dann ist Digitalisierung die maximale Vereinfachung – auch für den Menschen. Natürlich muss der analoge Mensch im digitalen System eine Rolle spielen, aber dazu muss er das System verstehen, kennen und akzeptieren, ohne modellgläubig zu sein.

Vereinfachung bedeutet auch Verlässlichkeit

Das digitale System muss dem Menschen dienen, muss ihn unterstützen und wird ihn in Teilen ersetzen, wo die Individualität analoger Vorgehensweise nicht erforderlich ist. Die moderne Technik erlaubt eine Vielzahl von 0-1-Operationen in Bruchteilen von Sekunden. Die Prozesse liefern bei identischen Inputparametern auch identische Ergebnisse. Das gilt für Abläufe in der Sparkasse ebenso wie für Kommunikationsprozesse. Der Vorteil liegt nicht nur in der Geschwindigkeit, sondern auch in der Klarheit und Nachvollziehbarkeit aller Prozesse. Damit werden Prozesse auch verlässlicher – im Sinne von „wir alle können uns darauf verlassen, dass sie nach einheitlichen Regeln und in einheitlich hoher Qualität ablaufen“. Wir müssen nur unsere Welt des „vielleicht“ und „es kommt darauf an“ überprüfen, wo es genau auf dieses Quäntchen „Mensch“ ankommt – und wo nicht. Digitalisierung ist überall dort, wo sie sinnvoll eingesetzt wird, maximale Vereinfachung – wir müssen uns nur darauf einlassen!