In den vergangenen Jahren hatten ausgewählte Institute ihre vormals ausgelagerte Kreditbearbeitung – zumindest in Teilbereichen – aus verschiedensten Gründen wieder zurückgeholt. Und doch stellen sich in jüngerer Vergangenheit die Häuser wieder vermehrt die Frage des „make oder buy“. Worin begründet sich die „Renaissance“ von Kreditfabriken?

Die Gründe sind sicherlich vielfältig. In den vergangenen ein bis zwei Jahren haben die Sparkassen – auch in dem Bewusstsein, dass schnelles Handeln unvermeidlich ist – verstärkt Kosten optimiert. Der wesentliche Vorteil des Outsourcings liegt darin, dass Sie als Sparkasse mit einem relativ geringen Zeitversatz einen neuen Prozess umsetzen können. Bei einer Eigenoptimierung der Kreditprozesse geht wesentlich mehr Zeit ins Land bis die Prozesse konzipiert, eingeführt und vor allem in gewünschter Form nachhaltig gelebt werden. Hier geht der Punkt ganz klar an das Outsourcing.

Des Weiteren sprechen folgende Aspekte für die Zusammenarbeit mit einem Dienstleister:

Höhere Prozessstringenz

Wir haben häufig die Erfahrung gemacht, dass bei einer Eigenoptimierung bereits in der Phase der Konzeptionierung Gründe gefunden werden, um von Modellkonzepten abweichen zu müssen. Spätestens im Tagesgeschäft sorgen persönliche Beziehungen zwischen Vertrieb und Back-Office, die direkte Einwirkungsmöglichkeit von Führungskräften und Vorständen für ein Abweichen von den definierten Prozessen. Bei der Beauftragung eines Dienstleisters bestehen diese Optionen nicht bzw. führen zu erheblichen Mehrkosten bei Inanspruchnahme.

Variabilisierung der Kosten

Schwankende Mengengerüste, sowohl unterjährig als auch über längere Zeiträume, sind in sämtlichen Geschäftsfeldern eher die Regel als die Ausnahme. Im Falle einer hausinternen Bearbeitung ist die langfristige Kapazitätenausstattung des Back-Office relevant. Im Outsourcing übernimmt der Dienstleister dieses Risiko – und vereinbart häufig eine Mindestmenge gekoppelt mit einem Mindestpreis, um auch den eigenen Kapazitätenbedarf planen zu können.

Mitarbeiterquantität und -qualität

Sparkassen kämpfen vermehrt mit der Rekrutierung von qualitativ hochwertigen Auszubildenden bzw. Fachkräften. Auch dieser Herausforderung entledigt man sich mit dem Outsourcing – zumindest im Kreditbereich.

 

Es gehen allerdings auch wesentliche Nachteile mit dem Outsourcing von Kredit-Back-Office-Prozessen einher:

          Existierende Mitarbeiterkapazitäten

          Hat man sich mit dem Dienstleister nicht auf eine Übernahme der Mitarbeiter im Rahmen einer Arbeitnehmerüberlassung o.ä. verständigt, spricht dieses Argument für eine Vielzahl von Sparkassen zunächst gegen eine Auslagerung: Zumindest bis zum Zeitpunkt einer wertschöpfenden Anschlusstätigkeit bzw. Ausscheiden des Sparkassen-Mitarbeiters laufen die Personalkosten parallel zu den Dienstleisterkosten. Für mittelgroße und große Häuser ist dieses Argument sicherlich gewichtiger als für kleinere Häuser, denen eine anderweitige Beschäftigung aufgrund der zwangsläufig geringeren Anzahl an Mitarbeitern schneller und einfacher gelingt.

Verlust von bankfachlicher Kernkompetenz

In den meisten Sparkassen ist die Kreditkompetenz in der Marktfolge Aktiv konzentriert. Dies ist auch der Grund, weshalb es vielen Sparkassen nicht gelingt, sich mit dieser Einheit zu einer industriell angelehnten Serviceeinheit zu entwickeln. Gleichwohl dient sie vielfach als Auskunftsstelle, „Ausbildungsabteilung“, Hüter des Kreditfachwissens und oftmals auch noch als Kreditkompetenzträger – letzteres lässt sich auf keinen Fall outsourcen. Im Falle einer Auslagerung geht dieses Wissen – zumindest sukzessive aufgrund fehlender Anwendung bzw. anderweitiger Tätigkeit – inhouse verloren. Gleichermaßen muss sich ein Haus bewusst sein, dass ein (späteres) Insourcing der Dienstleistung nur mit erheblichen Aufwendungen möglich ist.

 

Und die Kosten?

Der betriebswirtschaftlich oft treibende Faktor der Kosten bzw. des Preises ist bis dato nicht genannt worden. Warum? Dieser Aspekt lässt sich nicht eindeutig den Vor- oder Nachteilen zuordnen. Selbstverständlich wird die Preiskomponente die Grundsatzentscheidung für eine Auslagerung oder Inhouseverarbeitung maßgeblich beeinflussen. Es lässt sich allerdings nicht dogmatisch beantworten, welcher der beiden Wege für Ihr Haus der kostengünstigste und in Abwägung der weiteren o.g. Aspekte der sinnvollere Weg ist. Die Antwort hängt auf der einen Seite vom Markt (sprich dem Dienstleisterpreis) und dessen Rahmenbedingungen (z.B. welche Vorbedingungen werden seinerseits an die Anlieferqualität gestellt?) ab und auf der anderen Seite selbstverständlich von der internen Kostenstruktur. Zumindest bei der hausinternen Kostenstruktur (d.h. eingesetzte MAK = Personalkosten) stellen wir im Rahmen unserer Projektbegleitung eine sehr hohe Bandbreite fest. Grundsätzlich bleibt anzumerken, dass es sich bei dieser Dienstleistung um eine umsatzsteuerpflichtige Tätigkeit handelt.

Die Sparkassen müssen sich in naher Zukunft dringend Gedanken machen, wie sie Back-Office-Prozesse kostengünstiger gestalten. Dies gilt im Übrigen auch für andere Back-Office-Tätigkeiten (für Passiv/Dienstleistung als auch bankfremde Dienstleistungen wie Personalverwaltung etc.).

Die aktuell geringe Zinsspanne in Verbindung mit einem zunehmenden Wettbewerb von neuen Marktteilnehmern (Stichwort: FinTechs) wird die aktuellen Kostenstrukturen bereits mittelfristig nicht mehr gewinnbringend decken. Um höhere Stückzahlen zu generieren, ist eine Bündelung der Tätigkeiten in (über)regionalen oder zentralen Einheiten sicherlich ein sinnvoller Weg. Auch die in der S-Finanzgruppe tätigen Dienstleister haben hierzu attraktive Angebote und liefern nach unserer Einschätzung allesamt eine sehr hohe Qualität.

Wir helfen Ihrem Haus gerne bei der Herbeiführung einer Grundsatzentscheidung weiter. Kontaktieren Sie uns!