Sparkassen sind seit Jahrzehnten ein Erfolgsmodell. Sie zählen weltweit zu den größten Bankenorganisationen. Diese Erfolgsgeschichte ist an vielen Dingen abzulesen: an einer, lange Zeit nicht gekannten, flächendeckenden Versorgung der Bevölkerung mit Bankstellen – bis sprichwörtlich in den letzten Winkel des Landes, an einem Marktanteil, der normalerweise Wettbewerber zur Verzweiflung treibt und an einer tiefen Verankerung in der Bevölkerung. Aber diese „fetten“ Jahrzehnte sind auch erkennbar an aufwändigen und kostenintensiven Strukturen, an individuellen Prozessen und einer meist guten Personalausstattung. Diese Strukturkosten der Vergangenheit sind kaum durch die heutigen und erst recht nicht durch zukünftige Ertragspotenziale bezahlbar.

Sparkassen stehen derzeit vor einer der größten Herausforderungen ihrer langen Erfolgsgeschichte: Auf der einen Seite zwingt die aktuelle Situation an den Zinsmärkten zu „mageren“ Jahren. Andererseits müssen gleichzeitig praktisch alle Strukturen und Prozesse einer Sparkasse auf ihre Zukunftsfähigkeit hin überprüft und in der Regel angepasst werden. Kurz formuliert könnte man auch sagen: Abspecken und fit werden – für die Metamorphose zur Bank der Zukunft.

Die Welt hat sich massiv verändert – und damit müssen auch wir uns verändern. Glaubt man einfacheren oder auch komplexeren Berechnungen und Schätzungen, so muss der Verwaltungsaufwand auf ca. 1,2 bis max. 1,5 Prozent der DBS gesenkt werden – Werte, die viele Sparkassen noch vor kurzem allein für den Personalaufwand angaben. Auch bei steigenden Zinsen sind weder temporär und – je nach Zinsstruktur – auch längerfristig bessere Erträge zu erwarten. Ein „Durchtauchen“ des Zinslochs ist also nicht empfehlenswert.

Alle Häuser müssen allerspätestens heute strategische Entscheidungen treffen, deren Tragweite kaum überschaubar ist. Die Einschnitte in Strukturen und Ressourceneinsatz sind beispiellos und können nur langfristig umgesetzt werden. Doch was ist langfristig, wenn man vielleicht schon im Jahr 2021 einen Verwaltungsaufwand von 1,25 Prozent der DBS erreicht haben will oder muss?

Alle Häuser müssen gleichzeitig den Wandel hin zur Bank der Zukunft schaffen. Aber wie wird diese Bank der Zukunft genau aussehen? Vielleicht hilft dabei ein Blick in die Vergangenheit: Vor der Aufhebung der Bedürfnisprüfung und der flächendeckenden Einführung des bargeldlosen Zahlungsverkehrs gab es in Deutschland zwar viel mehr Sparkassen, aber kaum eine Sparkasse hatte eine Filiale. Die Summe der Sparkassenstellen in Deutschland lag bei einem kleinen Bruchteil des heutigen Wertes – und trotzdem waren die Menschen versorgt, weil sie die Sparkasse auch nur selten aufsuchen mussten.

Mit der Einführung der bargeldlosen Lohntüte und des bargeldlosen Zahlungsverkehrs 1957 brach das Filialzeitalter an, denn alle Kunden mussten bereits bei kleinsten Anlässen zur Sparkasse. Jede Zinsnachtragung im Sparbuch, jede Ein- oder Auszahlung, jede Überweisung oder Dauerauftrag setzte den Besuch einer Zweigstelle zwingend voraus. Das waren die wirklichen Gründe für die hohe Kundenfrequenz in den Filialen. Natürlich haben die Sparkassen die Kundeninformationen genutzt und aktiv Beratungsgespräche angeboten und Produkte verkauft, aber der Kundenbesuch selbst hatte meist eine andere Ursache.

Diese Ursachen fallen heute sukzessive weg – das Filialzeitalter geht zu Ende. Das bedeutet keinesfalls das Ende der Sparkassen oder gar der Sparkassenidee. „Nähe“ bedeutet nicht mehr, in jedem Dorf eine Filiale zu haben. Nähe bedeutet, technisch dem Kunden einfache Lösungen anzubieten – und damit grundsätzlich Strukturen, Steuerungslogiken, Kommunikationswege und Prozesse zu verändern.

Die Sparkasse wird keineswegs unbedeutender oder „kundenferner“, wenn sie auf die Anzahl der Stützpunkte in den 1950er Jahren zurückgeht. Denn diese Anzahl wird ungefähr der Wert sein, der langfristig nötig ist, um die (zahlenmäßig!) wenigen Geschäftsvorfälle abzuwickeln, die eine physische Kontaktaufnahme bedingen. Die genannten Veränderungen sind so grundsätzlich, dass man in der Tat von einer Metamorphose sprechen kann. Dieser Begriff verdeutlicht nicht nur den Grad der Veränderung – sondern auch die damit verbundene Energie. Dieser Aufwand wird immer noch unterschätzt.

1957 war der letzte disruptive Strukturwandel in der Bankbranche. Den nächsten gestalten Sie.

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