Die Regulierungsflut ebbt nicht ab. Sie kommt für die Sparkassen in der anhaltenden Niedrigzinsphase zur Unzeit. Bei sinkenden Erträgen und begrenzten Kapazitäten sind weiterhin zusätzliche Vorgaben der Aufsicht zu erfüllen – befeuert vor allem durch ungebremste Regulierungsbestrebungen des Baseler Ausschusses für Bankenaufsicht (Basel Committee on Banking Supervision, BCBS) und der Europäischen Bankenaufsichtsbehörde (European Banking Authority, EBA). Ein Themenbereich jagt den nächsten.

Um den Überblick im Regulierungsdschungel nicht zu verlieren, sollten zunächst bereits durch die Aufsicht konkretisierte Maßnahmen im Fokus stehen. Wir beschreiben im Folgenden deshalb diejenigen Regelungen aus dem Bereich Bankregulierung und -aufsicht, deren Termine und Inhalte zur Erstanwendung schon feststehen und deren Vorbereitung bzw. Umsetzung bereits ganz oder teilweise in 2017 durch alle Sparkassen erfolgen muss. Und: Wir zeigen Ihnen auch gleich die jeweiligen Unterstützungsleistungen der Sparkassen Consulting.

Einheitliche Meldungen zu FINREP

FINREP bedeutet die Schaffung eines einheitlichen Meldewesens für Finanzinformationen in der Eurozone. Betroffen sind alle Kreditinstitute. Der Aufsicht soll damit eine bessere Informationsbasis für die Bewertung der Institute eingeräumt werden und sie soll zudem bei Fehlentwicklungen frühzeitig eingreifen können. Künftig sind bestimmte Bilanz- und GuV-Inhalte auf aufsichtlichen Meldebögen abzubilden: Aufzuteilen sind Kredite und Ausleihungen, Finanzpassiva sowie gestundete Forderungen. Am 30. Juni 2017 sind – rückwirkend für drei Jahre – erstmals Risikopositionen mit finanziellen Schwierigkeiten, ab 30. September 2018 dann alle Vertragsanpassungen für alle meldepflichtigen Kredite zu erfassen.

Zur Gewährleistung einer einwandfreien Meldung müssen Sparkassen umfangreiche Anpassungen an aktuellen und zukünftigen Prozessen sowie bei der Datenhaltung und dem Datenmanagement vornehmen. Das bezieht sich vor allem auf die Bereiche Rechnungswesen, Marktfolge Kredit und Meldewesen, in denen angemessene Projektkapazitäten zur Verfügung stehen sollten.

Lösungsansatz: Wir begleiten Ihren Umsetzungsprozess. Wir schaffen mit Ihnen die prozessualen und strukturellen Voraussetzungen für eine ordnungsgemäße und ressourcenschonende Erstellung der Meldung. Dabei ist die Umsetzung der technischen und fachlichen Leitfäden der Sparkassen Rating und Risikosysteme GmbH (SR) und Finanz Informatik (FI) gewährleistet. Wir führen auch eine Qualitätssicherung bzw. Validierung der umgesetzten Maßnahmen und der tatsächlich benötigten Kapazitäten durch.

EBA-Leitlinien zur Übermittlung von Informationen

Diese gelten formell bereits seit dem 1. Januar 2017. Zwei Monate nach der deutschen Veröffentlichung auf der EBA-Homepage treten sie für die BaFin zur Überwachung und Bewertung von Sparkassen in Kraft: Die Zuverlässigkeit der internen Verfahren und Prozesse der Institute soll so besser zu überprüfen sein. Betroffen sind zunächst die Verfahren zur Steuerung des internen Kapitals (ICAAP) und der internen Liquidität (ILAAP). Hierfür wurde mit den Leitlinien die Datenbasis konkretisiert. Informationsumfang und Übermittlungstermine – ggf. mit der Anpassung der MaRisk – gibt die BaFin noch bekannt.

Die Vorgaben der Bankenaufsicht werden bedeutenden Einfluss auf die Ausgestaltung der internen Steuerungsprozesse der Sparkassen nehmen. Deshalb sollten diese ggf. auf den Prüfstand gestellt werden, auch mit Blick auf die erwartete Überarbeitung der europäischen Kapitalverordnung und -richtlinie (CRR II / CRD V). Es sind mehrere Schritte erforderlich:

  • eine neue Einschätzung der Folgen auf die Bilanzstruktur, die Gewinn- und Verlustrechnung und die Geschäftspolitik des jeweiligen Instituts,
  • eine Bewertung veränderter Strukturkennziffern wie Verschuldungs- und Liquiditätsquote in Bezug auf die Bewertung der internen Risikomessansätze.

Sparkassen, die in ihren internen Steuerungsprozessen in den vergangenen Jahren keine umfassende Anpassung durchgeführt haben, sollten diese Maßnahme für 2017 besonders hoch auf ihre Projektagenda stellen.

Lösungsansatz: Wir überprüfen die Angemessenheit und Wirksamkeit der eingesetzten Methoden und Verfahren. Wir sichten die relevanten Anweisungen und Praxisergebnisse und erarbeiten in mehreren Workshops Maßnahmen zur Anpassung der Verfahren. Darüber hinaus erfolgt eine Qualitätssicherung der Dokumentation der Sparkasse. Unser „Methoden- und Verfahrens-Check“ (Vgl. Newsletter 01 / 2016 – Neue Beratungsangebote im Themenbereich Aufsichtsrecht) ist dabei immer auf dem neuesten Stand der aufsichtsrechtlichen Anforderungen. Mit ihm können betroffene Sparkassen deutlich interne Kapazitäten im Steuerungsbereich zur Anpassung der eigenen Verfahren einsparen.

5. MaRisk-Novelle

Die Endfassung der Novelle wird kurzfristig durch die BaFin veröffentlicht. Wesentliche Neuerungen betreffen die Risikoberichterstattung, Vorgaben zur Risikokultur sowie zur Auslagerung. Weiterhin sind die Institute gehalten, künftig einen Refinanzierungsplan aufzustellen.

Um Risiken zeitnah zu steuern, müssen Risikoberichte nun in einem zeitlich angemessenen Rahmen erstellt werden. Des Weiteren haben sich Maßnahmen zur Datensicherheit am Schutzbedarf der verarbeiteten Daten zu orientieren. Das gilt insbesondere auch für selbst aufbereitete Daten. In Sparkassen mit einem bislang individuell ausgestalteten Risikoreporting sollte daher das aufsichtliche Berichtswesen dringend standardisiert werden.

Lösungsansatz: Eine Risikoberichterstattung mit dem Management-Cockpit oder dem standardisierten MaRisk-Reporting der FI gewährleistet eine effiziente Umsetzung der Anforderungen der Bankenaufsicht. Wir unterstützen die Einführung – in auf die Bedürfnisse einer Sparkasse abgestimmten Umsetzungsprojekten (Vgl. Newsletter 02 / 2016 – Aufsichtliches Berichtwesen).

Schärfung des Risikobewußtseins

Zur Förderung der Risikokultur soll das Risikobewusstsein auf allen Hierarchiestufen eines Instituts geschärft werden. Festlegungen der Geschäftsleitung zum Risikoappetit sowie zu strategischen Risikowerten sind in einem offenen und transparenten Dialog auf allen Ebenen der Aufbauorganisation zu kommunizieren. Darüber hinaus ist als integrativer Bestandteil der Organisationsrichtlinien ein Verhaltenskodex für Mitarbeiter zu entwickeln. Für wesentliche Auslagerungen gilt es, strategische Festlegungen zu treffen sowie diese in der Notfallplanung eines Instituts angemessen zu berücksichtigen. Das Ziel ist eine institutsinterne bessere Überwachung und Steuerung ausgelagerter Dienstleistungen.

Die Vorgaben der MaRisk-Novelle 2017 erfordern eine konzeptionelle Überprüfung der etablierten Risikokommunikation sowie der bislang ausgelagerten Aktivitäten. Des Weiteren sind in den angesprochenen Themenbereichen zusätzliche, regelmäßig anfallende Dokumentationspflichten zu erfüllen.

Lösungsansatz: Wir führen einen MaRisk-Check durch: Mit diesem Check (Update 5.0) wird der aktuelle Umsetzungsstand in einer Sparkasse erhoben, bewertet und dokumentiert. Identifizierte Handlungsfelder werden aufgezeigt und Umsetzungsmöglichkeiten vorgeschlagen. Dadurch können interne Kapazitäten der Sparkasse aufgespart sowie effizienter und wirkungsvoller eingesetzt werden. Zusätzlich bieten wir deren Unterstützung durch Optimierungsprojekte an.

Anpassung der Institutsvergütungsverordnung (InstitutsVergV)

Die Änderungsverordnung zur InstitutsVergV wird in Kürze veröffentlicht. Sie trat zum 1. März 2017 in Kraft. Darin werden die bestehenden Vorschriften, insbesondere zur Nachbetrachtung der Risikoträger sowie zur Abgrenzung von variablen und festen Vergütungsbestandteilen konkretisiert. Für eine Reihe von Sparkassen bedeutet die Änderungsverordnung eine Überarbeitung der Identifizierung ihrer Risikoträger. In der Folge müssen ausgewählte Bewertungsprozesse überprüft werden. Gemäß Auslegung der Aufsicht sind dabei definierte Bereiche der Aufbauorganisation einzubeziehen. Sparkassen sollten kurzfristig die interne Überprüfung ihrer Risikoträger in Angriff nehmen. Es sind ausreichende Mitarbeiterkapazitäten sowie Dokumentationsanpassungen einzuplanen.

Lösungsansatz: Wir überprüfen die Identifizierung der Risikoträger. Für wenig Aufwand (1 bis 2 Beratertage) erhält eine Sparkasse eine fundierte Bewertung ihres Überprüfungs- und Bewertungsprozesses. Zusätzlich werden Hinweise für evtl. notwendige Anpassungen für den Prozess und seine Dokumentation gegeben.

Umfrage zur Lage deutscher Institute in Niedrigzinsumfeld

Im kommenden Quartal wird durch die Bankenaufsicht eine zweite Erhebung festgelegter Institutsdaten in vorgegebenen Zins-Szenarien durchgeführt. Damit wird sich die BaFin einen aktuellen Überblick über die Belastungsfähigkeit von Sparkassen verschaffen. Wie bereits 2015 werden definierte Informationen zur Entwicklung der künftigen Ertragslage der Institute ermittelt. Die Ergebnisse der Überprüfung der Daten werden in den LSI-SREP (aufsichtsrechtlicher Überwachungs- und Bewertungsprozess für nach Definition der Aufsicht sogenannte weniger bedeutsame Institute) einfließen. Das gilt vor allem für Institute, die im vergangenen Jahr noch keinen SREP-Bescheid über einen Eigenkapitalzuschlag erhalten haben. Deshalb sollten Sparkassen mit einem erwarteten deutlich niedrigen Betriebsergebnis vor Bewertung als bisher eine Überprüfung ihres Geschäftsmodells durchführen. Daraus sind kurzfristig Handlungsansätze abzuleiten, die einen nachhaltigen Bestand des Instituts sichern.

Lösungsansatz: Wir führen einen Strategie-Check (Vgl. Newsletter 01 / 2016 – Neue Beratungsangebote) durch. Dabei werden zunächst die Inhalte der für die strategische Ausrichtung einer Sparkasse relevanten Dokumentation aufgenommen. Diese Daten werden analysiert und auf ihre Umsetzbarkeit und Konsistenz überprüft. Des Weiteren werden die Prozesse zur Umsetzung der strategischen Planung bewertet, konkrete Lösungsansätze für die Sicherstellung der Nachhaltigkeit des Geschäftsmodells der Sparkasse unterbreitet und gemeinsam erörtert. Umsetzungsmaßnahmen werden erarbeitet.

 

Nutzen Sie jetzt frühzeitig die Chance, unsere aktualisierten Beratungsleistungen im Themenfeld Aufsichtsrecht in Anspruch zu nehmen und wenden Sie sich kurzfristig an unsere unten aufgeführten Ansprechpartner. Wir beraten Sie gern und stellen ein individuelles Unterstützungsangebot für Ihre Sparkasse zusammen.

 

Ingolf Buchholz Seniorberater