Die dritte Novelle der Mindestanforderungen an das Risikomanagement (MaRisk) vom 15. Dezember 2010 konkretisiert die Anforderungen an die Ausgestaltung von Stresstests. Eine bloße Variation einzelner Risikoparameter sowie darauf basierende Risikoquantifizierungen genügen den aktuellen aufsichtlichen Vorgaben nicht mehr.

Ausgangslage


Im Ergebnis der Finanzkrise forderte die Aufsicht, dass Kreditinstitute neben der Betrachtung der regulären Risikosteuerung die Auswirkungen schockartiger Entwicklungen zu untersuchen haben. Die Geschäftsleitung soll Erkenntnisse gewinnen, wie sich solche unwahrschein­lichen aber plausibel möglichen Ereignisse auf die Risikolage des Instituts aus­wirken. Die nationale Umsetzung dieser Anforderungen erfolgte in der dritten MaRisk-Novelle vom 15. Dezember 2010. Somit sind regelmäßig und anlassbezogen Stresstests für wesentliche Risiken durchzuführen. Die Simulation sogenannter „inverser Stresstests“ sowie das Szenario eines „schweren konjunkturellen Abschwungs“ werden explizit eingefordert. Für die weitere Ausgestaltung herrscht grundsätzlich Methodenfreiheit, wobei erläuternd von geeigneten historischen und hypothetischen Szenarien gesprochen wird.

Wie viel Szenarien sind zu diskutieren? Welche Parametrisierung ist geeignet? Wie können Risikokonzentrationen berücksichtigt werden? Das sind nur einige Fragen, mit denen sich Sparkassen konfrontiert sehen. Und spätestens die praktische Umsetzung und Ergebnisinterpretation kann dann doch gelegentlich zu „Stress“ in der Sparkasse führen.

Auftrag


Auf der Grundlage der institutsindividuellen Risikosituation erfolgt die Konzeption angemessener Stresstests. Die Konzeption wird an Hand der Daten der Sparkasse verprobt, so dass über die Bestimmung der Risikofaktoren, der Parametrisierung bis hin zur Ergebnisinterpretation, Maßnahmenableitung und Berichterstellung der gesamte Prozess durchlaufen wird. Die Erarbeitung einer zugehörigen Arbeitsanweisung stellt die Erfüllung der Dokumentationsanforderungen sicher.

Umsetzung


Das Risikoprofil der Sparkasse stellt die Grundlage für die Diskussion der Stresstestkonzeption dar. In gemeinsamen Workshops mit den Spezialisten der Sparkasse werden angemessene Sensitivitätsanalysen, Einzelfallbetrachtungen und Szenarien erarbeitet. Wichtig ist dabei, dass die hausindividuelle Risikosituation in den Stresstests abgebildet wird und die Stresstests in das Risikomanagement der Instituts integriert werden – was beispielsweise eine Berücksichtigung etwaiger Risikokonzentrationen erfordert.

Bei den Sensitivitätsanalysen erfolgen Simulationsrechnungen einzelner Risiko­arten an Hand variierter Parameter – die Ableitung angemessener Parameterveränderungen und die Dokumentation dessen stehen dabei im Vordergrund. Bei den Einzelfallbetrachtungen werden in­dividuelle Risikoausprägungen des Instituts gestresst. Beispielsweise werden die Auswirkungen des Ausfalls nennenswerter Schuldner auf die Ertrags-, Liquiditäts- und Risikolage untersucht. Neben der inhaltlichen Ausgestaltung der aufsichtlichen „Pflichtszenarien“ werden ergänzende Szenarien formuliert, sofern diese für das Institut von Bedeutung sind – beispielsweise sei der Ausfall des größten regionalen Arbeitsgebers zu nennen.

In der sich anschließenden praktischen Umsetzung erfolgt die Simulation der einzelnen Stresstests. Die Ergebnisauswirkungen werden diskutiert und unter Risikotragfähigkeitsgesichtspunkten betrachtet, Handlungsempfehlungen werden im Bedarfsfall abgeleitet.

Sind die konzeptionellen Arbeiten und die Praxisverprobung abgeschlossen, widmet man sich der Erfüllung der Dokumentationsanforderungen an Prozesse – eine zugehörige Arbeitsanweisung wird erstellt.

 

Wesentliche Ergebnisse
Die Sparkasse erfüllt die Anforderungen der MaRisk an Stresstests. Neben der kon­zeptionellen Ausgestaltung von Stress­tests, die dem Risikoprofil der Sparkasse entsprechen, sind diese gemeinsam mit den Spezialisten der Sparkasse simuliert worden. Die Ergebnisse sind interpretiert, kritisch reflektiert – gegebenenfalls notwendige Maßnahmenvorschläge sind erarbeitet. Eine zugehörige Arbeitsanweisung sowie die Erörterung der notwendigen Folgearbeiten, wie etwa die Umsetzung der regelmäßigen Überprüfung der Methoden und Verfahren, vervollständigen die Projektergebnisse.